Nicht jeder Fisch gehört in die Einkaufstüte

Tanja Braun

Fisch enthält viele wertvolle Nährstoffe wie Jod, Omega-3-Fettsäuren sowie die Vitamine A, B und D. Da der Bestand einiger Arten bedroht ist, ist die reichhaltige Ernährung mit Fisch gefährdet. Verbraucher sollten beim Fischkauf deshalb nicht wahllos zugreifen.

Anfang der 70er Jahre gab es in der Nord- und Ostsee noch 250.000 Tonnen Kabeljau. Mittlerweile ist diese Zahl nach Schätzungen von Wissenschaftlern auf 70.000 Tonnen geschrumpft. Damit die Bestände sich erholen können, müssten weniger Fische gefangen werden. „Seit 15 Jahren wird über Fangquoten diskutiert, trotzdem ist der Bestand verschiedener Fischarten bedroht. Verbraucher sollten mit ihrer Einkaufsentscheidung bewusst dazu beitragen, dass bedrohte Fischbestände sich wieder vermehren können“, mahnt Silke Schwartau, Leiterin der Ernährungsberatung der Verbraucherzentrale Hamburg.

Bedrohte Fischarten

Deshalb empfiehlt sie, auf nicht bedrohte Arten auszuweichen oder Fische zu verzehren, die problemlos gezüchtet werden können. Diese Fische sollten Konsumenten momentan besser nicht kaufen:

  • Aal Europa (wild/Zucht)
  • Hai weltweit (wild)
  • Heilbutt Nordostatlantik (wild)
  • Kabeljau Nordostatlantik/Ostsee (wild)
  • Rotbarsch Nordostatlantik (wild)
  • Scholle Nordostatlantik (wild)
  • Schwertfisch weltweit (wild)
  • Seeteufel Nordostatlantik (wild)
  • Seezunge Nordostatlantik (wild)
  • Tropische Shrimps div. Länder (wild/Zucht)

Den Konsum der folgenden Fischarten hat der World Wildlife Fund (WWF) als bedenklich eingestuft. Das heißt, dass es bei diesen Arten Probleme mit der Zucht oder Fischerei gibt.

  • Alaska Seelachs Pazifik (wild)
  • Atlantischer Lachs Schottland/Norwegen (Zucht)
  • Dorade Mittelmeer (Zucht)
  • Krabben Nordsee (wild)
  • Makrele Nordostatlantik (wild)
  • Miesmuschel Nordsee (wild/Zucht)
  • Pangasius Asien (Zucht)
  • Pazifischer Lachs (wild)
  • Schellfisch Nordostatlantik (wild)
  • Seehecht Nordostatlantik (wild)

Zum Verzehr empfohlene Fischarten

Nicht bedroht und daher zum Verzehr empfohlen sind nach dem „WWF“-Führer zur Zeit folgende Fischarten:

  • Alaska Seelachs Pazifik (MSC)
  • Alaska Wildlachs Pazifik (MSC)
  • Bio-Lachs Nordostatlantik (Zucht)
  • Bio-Shrimps div. Länder (Zucht)
  • Eismeergarnele und Kaltwassershrimp Nordostatlantik (wild)
  • Forelle Europa (Zucht)
  • Heilbutt Pazifik (wild)
  • Hering Nordostatlantik/Ostsee (MSC/wild)
  • Sardine Nordostatlantik (wild)
  • Seehecht Südafrika (MSC)
  • Seelachs Nordostatlantik (wild)
  • Sprotte Nordostatlantik/Ostsee (wild)

Tipp: „WWF“ und „Greenpeace“ haben als Orientierungshilfe für Konsumenten downloadbare Einkaufsführer für Fische herausgegeben. Mit deren Hilfe kann man mit wenigen Blicken sehen, welche Fischarten momentan bedroht sind und welche nicht. Die faltbaren Einkaufsführer im Scheckkartenformat erhalten Sie per Download oder kostenlose Bestellung bei „WWF“.

Zu junge Fische

Ein weiteres Problem ist, dass viel zu junge Fische gefangen oder verzehrt werden. Fische sollten die Chance haben, zumindest einmal abzulaichen und auf diese Weise den Bestand ihrer Art zu sichern. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat deshalb ein downloadbares „Fisch-O-Meter“ herausgebracht. Damit können Konsumenten erkennen, welche Größe ein Fisch mindestens haben muss, um unbedenklich verzehrt werden zu können.

„Wenn ich in einem Restaurant eine Scholle bestelle und der Kellner bringt mir drei winzige Fische, würde ich das Gericht zurückgehen lassen. Diese Fische sind dann einfach zu klein. So sollten übrigens alle Verbraucher handeln, um zu zeigen, dass sie damit nicht einverstanden sind“, betont Silke Schwartau.

Siegel als Auswahlkriterium beim Kauf von Fischen

Ein hilfreiches Kriterium beim Kauf von Fischen ist laut der Verbraucherzentrale Hamburg das „MSC“-Siegel. Es wird vom „Marine Stewardship Council“, einer unabhängigen Non-Profit-Organisation, vergeben und steht für eine nachhaltige, umweltfreundliche Fischerei.

Allerdings kritisieren Umweltorganisationen wie „Greenpeace“ das MSC-Siegel, da etwa 50 Prozent der MSC-zertifizierten Produkte aus überfischten Beständen stammen oder mittels der zerstörerischen Grundschleppnetzfischerei gefangen werden.

Daneben gibt es noch das Dolphin Safe-Siegel, das vom US-amerikanischen Earth Island Institute (EII) herausgegeben wird. Dabei handelt es sich um ein Delfinschutzprogramm, das den gewollten und ungewollten Beifang von Meeressäugern beim Thunfischfang für Dosenthunfischprodukte verhindern soll. WWF Schweiz hat dieses Siegel allerdings kritisiert, da es unter anderem nicht garantiere, dass die betroffenen Thunfischbestände nicht überfischt seien.

„Andere Siegel, wie zum Beispiel ein durchgestrichener Delfin auf einer Thunfischdose werden lediglich vom Hersteller aufgedruckt und sind weder offiziell anerkannt, noch glaubwürdig“, erklärt die Ernährungsexpertin Silke Schwartau. Auf Fischprodukte mit solchen unseriösen Siegeln sollten Verbraucher beim Einkauf deshalb nicht zurückgreifen.

Wann Fischzucht eine Alternative ist

Die Zucht von Fischen in so genannten Fischfarmen, auch Aquakultur genannt, bietet sich als Alternative zum Fischfang an. Allerdings ist auch das nicht ganz unproblematisch. Zum Beispiel wurden nach Angaben von Seafood Watch mehr als 1,5 Millionen Hektar Mangrovenwälder vernichtet, um Teiche für die Fischzucht anzulegen. Als Futte rfür die Zuchtfische benötigt man nach Schätzungen von „WWF“ vier Kilo frei lebenden Fisch, um ein Kilo Aquakulturfisch zu züchten. Das trägt wiederum zur Überfischung bei. Bei Fischen, die sich vegetarisch ernähren, wie der Karpfen oder solche, die sich zum Vegetarier umerziehen lassen, wie zum Beispiel Garnelen, ist die Zucht einfacher.

Abhängig von der Art der Fischfarm werden dem Futter auch Antibiotika zugesetzt, um Krankheiten vorzubeugen. Außerdem besteht bei einigen Formen der Aquakultur die Gefahr, dass die Zuchtfische ausreißen und sich mit den freilebenden Fischen vermischen oder sie sogar verdrängen. Die „geschlossene Kreislaufanlage“ ist die beste Form einer Fischfarm, da Fische dort weder entkommen, noch der Einsatz von Antibiotika notwendig ist. Die Fische werden dabei in abgeschlossenen Becken gehalten, deren Wasser jeden Tag zu einem geringen Teil ausgetauscht wird. Allerdings ist diese Fischfarm-Art auch die kostspieligste.

Ob ein Fisch ein Wildfang ist oder aus einer Zucht kommt, ist in der Regel auf der Verpackung vermerkt. Da die Fischzucht in der EU-Ökoverordnung nicht geregelt ist, dürfen Bio-Fische kein staatliches Bio-Siegel tragen. Die Erzeuger von Bioprodukten versprechen allerdings höhere ökologische Standards, als es das staatliche Bio-Siegel verlangt. Fische aus ökologischer Aquakultur erkennt man an eingetragenen Biokennzeichen wie „Naturland“.

Fazit: Generell empfehlen die Verbraucherzentralen, Süßwasserfische wie Karpfen oder Forellen zu verzehren. Wenn es unbedingt ein anderer Fisch sein muss, sollte man die von „WWF“ in ihrem Einkaufsführer als „annehmbar“ eingestuften Arten kaufen. Außerdem sollte man auf das „MSC-Siegel“ achten, da es zumindest einen gewissen ökologischen Standard garantiert.

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