BVG verhagelt Bilanz

Wegen des Streiks sind die Geschäfte in U-Bahnhöfen geschlossen. Trotzdem kassierte die BVG dafür Miete

Der Streik der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) trifft jene besonders hart, die auf Bus, Tram und U-Bahn angewiesen sind – oder dort ihre Brötchen verdienen, zum Beispiel Geschäfte in U-Bahnhöfen. Da die seit einer Woche aus Sicherheitsgründen abgeschlossen sind, machen die Ladeninhaber keinerlei Umsatz mehr. Entschädigungen hat die BVG bisher abgelehnt – am Mittwoch verkündete der BVG-Vorstandsvorsitzende Andreas Sturmowski immerhin, dass sein Unternehmen den Geschäften in U-Bahnhöfen die weiter fällige Miete für die Streiktage erlasse. „Ich habe allergrößtes Verständnis für die Verärgerung der Geschäftsleute“, sagte Sturmowski. „Sie werden wie die Fahrgäste zum Opfer eines völlig überzogenen Streiks.“

Mit Umsatzausfall müssen die Betreiber weiter allein klar kommen. Für Patricia Wendtland wird es dieses Jahr deshalb kein fröhliches Osterfest geben. Seit 5. März ist ihre Le-Crobag-Filiale geschlossen. Dort werden Brötchen und Snacks verkauft. Trotz Mietminderung steht die 30-Jährige vor einem finanziellen Disaster. „Die Umsatzeinbußen sind da, die erlassene Miete rettet mich nicht“, klagt Wendtland.

Sie habe zwar Verständnis dafür, dass die BVG-Angestellten streiken, hält aber den Zeitraum für zu lang. „Wenn die BVG den Streik wirklich bis Ostern durchzieht, stehe ich vor dem Bankrott“, sagt sie. Sie hat versucht, ihre acht Angestellten auf andere Filialen der Sandwichkette in der Stadt zu verteilen. Aber auch das gestaltete sich schwierig, da dort keine zusätzlichen Verkäuferinnen gebraucht würden. Alle Angestellten mussten deshalb Zwangsurlaub nehmen. Eine Klage wegen der Umsatzeinbußen gegen die BVG werde sie trotzdem nicht anstreben, da sie Angst hat, dass der Mietvertrag dann nicht verlängert wird. Auch das Mutterunternehmen habe ihr davon abgeraten.

Sven Wöllner geht es ähnlich. Für den Leiter einer Steinecke-Bäckereifiliale am Innsbrucker Platz ist der Streik zwar nicht existenzbedrohend, da er noch andere Geschäfte betreut. Trotzdem habe ihn die erste Streikwoche 10.000 Euro gekostet.

Da seine Filiale in einem Durchgang liegt und nicht direkt in einem U-Bahnhof, versteht Sven Wöllner nicht, warum der Laden geschlossen bleiben muss. Eigentlich könne man ja zumindest den Durchgang freimachen und nur den U-Bahnhof abschließen. Bisher wurde er nicht darüber informiert, wie lange die Filiale geschlossen sein wird. „Die eigentlichen Leidtragenden sind meine Angestellten. Die werden nach geleisteten Stunden bezahlt und haben jetzt finanzielle Einbußen. Der Streit wird so auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen.“

TANJA BRAUN

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