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Serienfutter

Anhand der Liste mit den besten Serien 2015  des Guardian.co.uk möchte ich ein paar Serien kommentieren. Da ich Nummer 1 und 2 nicht gesehen habe, springe ich gleich zu den drittplatzierten Mad Men: Für mich eine der besten Serien aller Zeiten, die dazu noch ein richtig gutes Ende hinbekommen hat – woran viele Serien scheitern, die bestenfalls einen konservativen Schluss bieten. Das war zum Beispiel bei Downton Abbey der Fall – er bot nun wirklich nicht die kleinste Überraschung, führte aber auch nicht zu Empörungswellen; ich als Fan der Serie war zufrieden.

London Spy findet man auf Platz 5 wieder, was für mich überraschend hoch gegriffen ist: Zwar ist die Serie um einen Homosexuellen, der sich in einen ziemlich rätselhaften Mann verliebt, interessant, aber das Ende ist ziemlich langweilig geraten und kommt deshalb nicht unter meine Top Ten.

Von Master of None habe ich mir die erste Folge angesehen, ganz lustig, spielt mit rassistischen Stereotypen – nett, aber mehr auch nicht.

Mr. Robot fand ich eingangs ganz gut, leider wird es im weiteren Verlauf etwas konfus (Achtung Spoiler!): Der ältere Hacker stellt sich als toter Vater des Protagonisten heraus und seine Flamme ist eigentlich seine Schwester, die er nicht erkennt. Hä? Ich mag so etwas konfus-surreales überhaupt nicht und habe die Serie an der Stelle für mich beendet.

Better Call Saul gehört definitiv unter die zehn besten Serien – well done, Guardian! Sie erzählt die Vorgeschichte des etwas schmierigen und anscheinend skrupellosen Anwalts aus „Breaking Bad“, der trotz der beschriebenen negativen Charaktereigenschaften alle Sympathien auf seiner Seite hat. Der Zuschauer fiebert mit, wie er als Underdog das Stigma des ewigen Losers bekämpft und immer wieder scheitert. Im Verlauf der neuen Serie wird klar, dass er ein ziemlich brillanter Anwalt sein muss, sich aber zum Unkonventionellen hingezogen fühlt. Die zweite Staffel läuft übrigens seit 15. Februar.

Dann kommen wir zu einem meiner persönlichen Favoriten: Die britische Serie River mit Nicola Walker, eine meiner Lieblingsschauspielerinnen. Sie kennt man man beispielsweise aus der Krimiserie „Luther“, aber auch aus „Last Tango in Halifax“, in der es um zwei alte Schulfreunde geht, die sich im Seniorenalter durch Facebook wiederfinden und sich erneut verlieben. Klingt vielleicht etwas lahm, die Briten können so etwas aber gut inszenieren. Ansonsten hatte sie eine kleine Rolle bei „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ – sie ist die Sängerin in dieser großartigen Szene: https://youtu.be/A1eFvgQ2FFM

Aber zurück zu River: Die eigentlich Hauptrolle spielt Stellan Skarsgård und der Clou der Serie offenbart sich schon am Anfang der ersten Folge – daher sei hier nichts verraten! Für Krimifans genauso ein Muss wie Unforgotten, ebenfalls mit Nicola Walker. Darin geht es um einen alten Fall, der noch einmal aufgerollt wird; langsam wird aufgedröselt, ob es nun ein rassistisch motivierter Mord oder ein Beziehungsdrama war. Im Gegensatz zur Mehrheit der Kritiker würde ich diese Serie sogar vor River platzieren, weil ich das Drehbuch einen Tick spannender fand.

Auf der nächsten Position ist die zweite Staffel von Fargo vertreten. Und ja, die war wirklich nicht schlecht, allein Kirsten Dunst spielt in ihrer eigenen Liga – sie hätte dafür definitiv den Golden Globe verdient gehabt. Einen Extrapunkt gibt es außerdem für die fiesen 70er-Jahre-Klamotten und die Einrichtung. Bei allem Hurra-Geschrei muss ich dennoch hinzufügen, dass die zweite Staffel meiner Meinung nach bei weitem nicht an die erste hinanreicht, was Spannung betrifft. Ich verstehe nicht, warum so viele so extrem begeistert waren.

Jetzt muss ich einige Plätze springen, weil ich Science Fiction grundsätzlich nicht so gern mag und komme zu Transparent. Es geht um Mort, einen geschiedenen Professor mit erwachsenen Kindern, der transsexuell ist und nun endlich sein Leben als Maura weiterführen möchte. Jeffrey Tambor, der in zahlreichen Serien (z. B. spielt er auch einen Richter in „The Good Wife“) und Filmen mitgewirkt hat, spielt diese Figur ausgezeichnet. Die Serie ist also gut, aber da es so viele gibt, würde sie aber nicht unbedingt auf meiner Bestenliste stehen.

Ich bin ein very late adopter von The Good Wife – im Dezember habe ich angefangen, nichts anderes als alle 7 (!) Staffeln bis Februar anzusehen. Julianna Margulies spielt diese Rolle nicht, sie ist Alicia Florrick, Anwältin und betrogene Ehefrau eines Politikers. Generell sind hier einige Figuren ziemlich interessant – sei es die Schwiegermutter, die Kanzleichefin, die Ermittlerin Kalinda oder der Kampagnenleiter Eli. Der Guardian lobt hier noch die Bezüge, die die Serie zur Realität macht und erwähnt das geheim gehaltene Polizeirevier „Homan Square“ in Chicago, dessen Existenz der Guardian aufgedeckt hat.

Von Rectify habe ich einige Folgen gesehen und musste dann aufhören, weil sie zu gut umgesetzt ist. Wie das sein kann? Es geht um einen wegen Mordes zu unrecht (?) Verurteilten, der als Teenager ins Gefängnis kommt, zwanzig Jahre auf die Vollstreckung der Todesstrafe wartet und dann wegen neuer DNA-Analysen aus dem Gefängnis kommt. Man könnte meinen, die Geschichte sei hier zu Ende und der Protagonist Daniel müsste glücklich sein. Aber er hat Probleme mit dem Leben in Freiheit, vor allem aber auch die anderen Menschen mit ihm. Er weiß jedoch nicht einmal selbst, was genau passiert ist und diese Tatsache macht ihm zu schaffen. Zudem hat seine Schwester den Sinn ihres Lebens verloren, da sie immer dafür gekämpft hat, ihren Bruder frei zu bekommen. Mein Problem mit der Serie ist die großartige schauspielerische Leistung und die sehr gelungene deprimierende Atmosphäre, die ich nicht mehr ausgehalten habe. Es kann also auch passieren, dass etwas zu gut eingefangen ist.

Game of Thrones wird bei mir niemals auf irgendeiner Bestenliste erscheinen. Dazu müsste ich aber einen eigenen Post verfassen.

Silicon Valley war nett, lustig, kann man sich definitiv ansehen. Wie der Titel schon andeutet, geht es um junge Programmierer. Ob das in eine Bestenliste muss – da habe ich so meine Zweifel.

Endlich schreibt mal jemand über Bloodline! Diese Serie würde ich allerdings viel besser bewerten. Sie spielt in den Florida Keys und handelt von einer Familie, die ein Hotel besitzt und dem Loser-Sohn, der heimkehrt, alle Zuschauer-Sympathien hat und dann doch verkackt. Inklusive Kriminalfall. Fand ich so gelungen, dass ich die Florida Keys mit in meine Liste der zu besuchenden Orte aufgenommen habe.

The Americans kennen mittlerweile wahrscheinlich schon einige: Zwei russische Agenten in den USA der Achtziger Jahre spionieren, was die damalige Technik so hergibt. Es ist wunderbar, die altbackene Geräte, die die Agenten damals benutzt haben, anzusehen und zu realisieren, wie mühevoll das noch war und wie leicht es heute ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass der Serie in der dritten Staffel so langsam die Puste ausgeht. Achtung wieder Spoiler: Die Wendung, die eigene Tochter ebenfalls als Spionin zu rekrutieren, ist dann aber schlau, wenn auch grausam.

 

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4 Kommentare zu “Serienfutter

  1. Also ich fand „Master of None“ am Anfang auch komisch.
    Versuche mal vielleicht auch folge 2 und 3 zu sehen. Mir wurden die Charaktere erst nach und nach sympatisch.

    • Ja, manchmal dauert es, bis sich so eine Serie entwickelt, das stimmt! Werde ich nochmal versuchen, wenn mal wieder Serienflaute ist.

  2. […] sehen, weil niemand jemals an Sissy Spaceks schauspielerische Leistung heranreichen wird (in der im vorletzten Beitrag erwähnten Serie “Bloodline” spielt Spacek übrigens die Mutter der Hotelfamilie, […]

  3. […] der zweiten Staffel von „Bloodline“, über die ich schon mal schrieb, wird am Ende der dritten Folge „Liar“ von Henry Rollins eingespielt. An einer Stelle, […]

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