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Lisboa

„Quem não viu Lisboa, não viu coisa boa“ (António Nobre)
(Wer Lissabon nicht gesehen hat, der hat nichts Schönes gesehen)

Zu genau dieser Ansicht war ich 2006 gelangt, als ich zum ersten Mal Lissabon besucht hatte. Also wurde es langsam Zeit, noch einmal dort hinzufahren. In der Alfama, dem ältesten Viertel Lissabons, hatte ich eine Ferienwohnung gebucht – ohne zu ahnen, dass wir damit auch Teil des Problems waren: Es scheint nämlich, als würden dort überhaupt keine Einheimischen mehr wohnen. Schon im März stapfen Horden von Touristen mit H&M-Tüten durch die engen Gassen oder quetschen sich in die berühmte Eléctrico 28. Als ich das Viertel zum ersten Mal besucht hatte, war das – meiner Meinung nach – noch nicht der Fall gewesen. Aber was beschwere ich mich, ich bin ja schließlich auch Touristin.

Alfama

Eine Ferienwohnung hatte ich gebucht, weil die erschwinglichen Hotels Lissabons einen 80er-Jahre-Blümchentagesdecken-Charme inne haben, den ich als zu deprimierend empfand und die Alfama außerdem einen herrlichen Blick auf den Tejo bietet. Auch das mit dem Essen gestaltet sich in einer Ferienwohnung wesentlich einfacher – irgendwann hatte ich die Salat-Pommes-Diät satt. Wenigstens reisten wir mit Taschen ohne Rollen – im Gegensatz zu den reizenden Berlintouristen, die teilweise um 4 Uhr morgens mit ihren Rollkoffern durch meinen Hof poltern. Vielleicht werde ich beim nächsten Lissabonaufenthalt wieder das Hostel in Catalazete buchen (das letzte Mal besuchte ich einen Sprachkurs und übernachtete die eine Hälfte des Urlaubs bei einer Gastmutter, die andere im Hostel): Das liegt zwar ein wenig außerhalb Lissabons, dafür aber direkt am Tejo.

Ein weiterer Unterschied, der mir aufgefallen ist: Jetzt gibt es in der Alfama viele Läden mit Touristenkitsch sowie gewölbeartige Fado-Bars mit Konzertflügel (Klaviermusik bei Fado?) und München-Preisen – fertig ist das Lissabon, das ich nicht erleben möchte. Aber welche Alternative gibt es? Nicht mehr hinfahren?

Es waren so viele Touristen, dass man teilweise keinen Platz mehr in der Straßenbahn bekam, die nach Belém fährt. Dieser Stadtteil ist so beliebt, weil dort Sehenswürdigkeiten wie das Kloster „Mosteiro dos Jerónimos“ und der „Torre de Belém“ stehen. Auch eines meiner Lieblingsmuseen, das Museu Coleção Berardo, findet man gleich nebenan (freier Eintritt!). 2006 war hier Angela Bullochs Installation „The Disenchanted Forest x 1001“ ausgestellt – für mich eine der besten Arbeiten der Gegenwartskunst. Ein Foto wird einer Installation leider nicht wirklich gerecht, weil man weder die Dimensionen, noch den Wechsel des Lichts erkennen kann und der Sound fehlt. Angela Bulloch hat es mit ihren Installationen übrigens auch in den Deutschen Bundestag geschafft; allerdings sind diese nicht so spektakulär wie der Disenchanted Forest.

Ein weiteres Highlight Lissabons ist das Oceanário, ein riesiges Aquarium, in dem ein sehr anmutiger Mantarochen seine Kreise zieht. Ich weiß nicht, ob man Mantas und andere Fische einsperren sollte, aber da dieser Besuch dazu geführt hat, dass ich keine Tiere mehr esse, hat es einen guten Zweck erfüllt.

Ansonsten empfehle ich für Lissabon natürlich eine Stadtrundfahrt mit dem Boot auf dem Tejo, was im März noch nicht möglich ist – die Saison beginnt erst im April. Wegen des Wetters sollte man vorher sowieso nicht hinfahren, da es noch viel regnen und auch ziemlich kühl sein kann. Aber den kathedralenähnlichen Wasserspeicher „Mãe d’Água das Amoreiras“ kann man bei jedem Wetter besuchen; er ist so schön, dass man ihn wirklich nicht verpassen sollte. Ansonsten macht es einfach Spaß, zu Fuß durch die Gassen zu schlendern oder die Eléctrico zu nehmen und mit einer manchmal ganz erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Straßen zu rumpeln.

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2 Kommentare zu “Lisboa

  1. Lissabon ist prächtig, ich muss mal wieder hin, die gute Freundin besuchen.

    • Ich möchte diesen Sommer unbedingt wieder nach Portugal, aber dieses Mal vielleicht wieder an die Algarve. Irgendwie habe ich die ganze Zeit den Geruch der Felsen am Meer im Kopf und möchte ihn wieder erleben. Danke für den Tipp mit dem Blog „Boas Intenções“!

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