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„Wir vermieten nicht, wir kuratieren!“

– so der Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau, Kai-Uwe Ludwig, über das Konzept des Bikini-Hauses in der Berliner Zeitung. Ernsthaft? Glaubt irgendein Mensch wirklich diese gequirlte Scheiße? Es ist klar, dass Westberlin nach all dem Ostberlin-Hype krampfhaft nachziehen möchte. Und ich habe schon seit geraumer Zeit das Gefühl, dass die Presse versucht, die „City West“ schön zu schreiben, aber mit weiteren Shoppingcentern wird der Westen Berlins auch nicht attraktiver. Man darf mich nicht falsch verstehen: Ich lebe gerne in diesem Teil Berlins, sehe aber mit Sorge, wie ein langweiliger Hotelbau dem anderen folgt und man versucht, durch peinliche Wortschöpfungen Dingen Leben einzuhauchen, die keines haben. Direkt neben dem Waldorf Astoria-Hotel wird nämlich gleich das nächste Hotel gebaut, das sich euphemistisch „Upper West“ nennt, unter dem sich aber nichts anderes als ein weiteres Haus der „Motel One“-Kette verbirgt, das es bereits acht (!) Mal in Berlin gibt.

Mich erstaunt, dass es beim Bikini-Haus nun schon im Vorfeld so viel unkritisches Beifallgeklatsche gibt. Bloß, weil ausnahmsweise nicht die üblichen Kleidungsketten Einzug halten, muss man doch nicht gleich auf die Knie fallen vor Dankbarkeit. Mich interessieren Designerläden jedenfalls kein bisschen und auch bei einer weiteren unterkühlten Bar, in der man angeblich Pavianen aus dem Zoo auf den Hintern gucken kann, bleibe ich skeptisch. Ich jogge jede Woche am Zoo vorbei – auf der gegenüberliegenden Seite kann man ein Zebra beobachten, dass morgens die furchtbarsten, schrillsten Schreie ausstößt und mit dem Huf lautstark gegen die Tür seine Geheges tritt. Welch Idylle! Aber das ist ein anderes Problem. Wobei eine Terrasse, die wirklich jeder – unabhängig von einem Einkauf – betreten kann, natürlich vielversprechend klingt, sie mir bis jetzt aber als einziger positiver Aspekt aufgefallen ist.
Bikini Berlin

Am Bikini-Haus hängt an der Seite ein großes Schild mit der Aufschrift „Shop different“ – die Sprache ist offensichtlich kein Bestandteil des Fachs Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bamberg, sonst wüsste Geschäftsführer Ludwig, dass es „shop differentLY“ heißen muss, da das Wort ein Adverb ist. Vielleicht ist die neue Shopping-Experience dann doch keine so andere after all und man versucht lediglich mit ein paar Floskeln Inhaltslosigkeit zu übertünchen?! Der kleine Gothic-Laden, der früher im Bikini-Haus im Erdgeschoss zu finden war und in dem ich originelle Geschenke kaufen konnte, ist garantiert nicht mehr Bestandteil der „Rehabilitation“ des Hauses. Aber das ist eben, was passiert, wenn Einzigartigkeit durch durchgestylte Internationalität ersetzt wird. Man weiß bald nicht mehr, ob man in Lissabon oder Berlin ist, da es überall die gleichen Geschäfte gibt, in denen gleich aussehende Menschen die gleichen Sachen einkaufen. Aber ich nehme an, dass das so gewünscht ist.

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