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What you’re gonna do?

Nach sechs Staffeln „The Sopranos“ bin ich überzeugt, dass das die beste Serie ist, die jemals gedreht wurde. Obwohl sie in den USA schon von 1999 bis 2007 ausgestrahlt wurde, habe ich sie erst jetzt angesehen und bin begeistert, wie viel Arbeit auf Charaktere, Handlung und Umsetzung verwendet wurde. Es geht um eine Mafiafamilie italienischer Abstammung, die in New Jersey lebt und deren Boss, Anthony „Tony“ Soprano, mit Panikattacken zu kämpfen hat. Also begibt er sich – unüblich und eigentlich nicht schicklich für jemanden in seiner Position – in Therapie, natürlich zu einer ebenfalls italienischstämmigen Therapeutin. Daraus ergeben sich die skurrilsten Szenen, da der Mafioso sich selbst als guten Menschen sieht und er gegenüber der Psychologin auch hin und wieder recht deutlich wird, wenn er ihr die Meinung zu ihren Theorien geigt.

Das Tolle an der Serie sind die liebevoll inszenierten Details wie zum Beispiel das stets präsente italienische Essen, das geräuschvoll schmatzend verputzt wird. Natürlich darf auch der „italienische“ Akzent nicht fehlen und der Mafiaslang, der von Flüchen nur so strotzt, aber auch von Wörtern wie „to whack“ (töten) oder „Gumar“ (Geliebte eines Mafiosi) durchzogen ist. Und am besten ist natürlich Tonys Lieblingsspruch: „What you’re gonna do?!“, der stets von einem Achselzucken begleitet wird, eigentlich immer passt und mittlerweile eines meiner Lieblingsmottos ist.

Auch das Styling ist bis aufs Kleinste durchdacht: Die Frauen bieten alles vom aufgedonnerten „big hair“ über die Plastikfingernägel bis hin zu den protzigen Schmuckstücken. Vor allem bei der Musikauswahl hat der Serienautor David Chase bewiesen, dass viele kleine Komponenten das Gesamtkunststück ausmachen: Man hat nämlich nach jeder Folge nicht nur Heißhunger auf Pasta, sondern auch einen Ohrwurm, den man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Das fängt schon beim richtig guten Introsong an, dann läuft in Tonys Auto meist eine New Jersey Classic Rock Station, die solche Hits wie „Smoke On The Water“ spielt. Zu meiner Überraschung hat Ehefrau Carmela diesen Song auch Tony vorgespielt, als er im Koma lag (sie ist sehr katholisch und etwas konservativ, daher hat es mich überrascht, dass sie diesen Song kennt). Bei einigen Gelegenheiten, die stets mit dem attraktiven „Originalitaliener“ Furio zusammenhängen, wird „Vesuvio“ der sizilianischen Band Spaccanapoli gespielt.

Die amerikanische Band Journey kommt ebenfalls immer wieder vor, zum Beispiel mit ihrem Hit „Wheel In The Sky“ oder in der perfekt inszenierten Abschlussszene der Serie: Die Sopranos haben sich in einem Diner verabredet, Tony ist als erster da und wählt „Don’t Stop Believin’“ in der Jukebox aus, während alle Familienmitglieder peu à peu eintrudeln (die Songs sind alle leicht im Internet zu finden, ich habe mich nur nicht getraut, sie einzubetten).

Obwohl die Serie mitunter ziemlich brutal ist, kommt man als Zuschauer nicht umhin, große Sympathien für die Mafiafamilie  – trotz all ihrer Widersprüchlichkeit – zu entwickeln. Aber da würde ich es eben wie Tony Soprano halten, mit den Achseln zucken und ein „what you’re gonna do?“ vor mich hinbrabbeln.

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