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Praxis der Denkmalpflege

Im letzten Semester hatte ich ein sehr interessantes Seminar, das „Praxis der Denkmalpflege“ hieß und vom Brandenburger Landeskonservator geleitet wurde. Anfangs stellte er uns einige Denkmale vor und erklärte die wichtigsten fachlichen sowie gesetzlichen Grundlagen. Dann kamen wir Studenten an die Reihe, indem wir uns ein Denkmal aussuchten, den Denkmalwert – die Gründe, warum das Ensemble/Gebäude überhaupt Denkmal wurde – beschrieben und den praktischen Umgang mit dem Denkmal erläuterten, also die Baugeschichte und die denkmalpflegerischen Maßnahmen vorstellten. Zum Schluss bewerteten wir diese Maßnahmen, wobei wir so taten, als wären wir Denkmalpfleger. Ich hatte mit einer Kommilitonin zusammen das Refektorium, den früheren Speisesaal, des ehemaligen Zisterzienserklosters in Doberlug-Kirchhain zum Thema.
Refektorium

Es war von Anfang etwas schwer mit meiner Korreferentin, da sie offensichtlich sehr viel zu tun hatte beziehungsweise ihre Prioritäten wohl anders setzte. Das hatte zur Folge, dass ich alleine zum Landesamt für Denkmalpflege in Zossen fuhr, um dort mehr über den Umgang mit dem Refektorium zu erfahren. Sie hatte sich dann aber doch noch mit dem Restaurator in Verbindung gesetzt, und wie es bei solchen Leuten meistens der Fall ist, hatte sie auch mehr Glück als Verstand, da sie auf den wirklich allerletzten Drücker noch wertvolle Informationen von ihm erhalten hatte. Beim Termin vor Ort war es dann so, dass sie über die Baugeschichte referieren, ich die Baubeschreibung machen sollte und wir schließlich unsere beiden Bewertungen – sie positiv und ich (Überraschung!) negativ – darstellen wollten.

Das „Problem“ bei dem Refektorium ist nämlich meiner Meinung nach, dass der Mittelteil nach einer mittelalterlichen Fassung restauriert wurde, die beiden Anbauten an den Seiten (auf dem Foto der verputzte Teil im Vordergrund), in denen sich Treppenhäuser befinden, aber aus den 1950ern stammen. Sie wurden aber dennoch als wertvoll erachtet, weil es auf historisierende Weise geschah – offiziell wird das dann als „Respekt vor dem historischen Bestand“ bezeichnet. Außen also mittelalterliche Gestaltung, innen wurde dann im Erdgeschoss ein weißer Verputz wiederhergestellt, der erst im 16. Jahrhundert dazu gekommen war und eine mittelalterliche Fassung des Innenraums in roter Farbe, die bei der bauhistorischen Untersuchung gefunden wurde, wurde ignoriert. Im ersten Stock wurde in den 1950ern ein Veranstaltungssaal eingebaut, der nun auch wiederhergestellt wurde, damit er zu diesem Zweck genutzt werden kann.

Ich halte diese Mischung aus verschiedenen Zeitschichten für etwas problematisch, wenn ich natürlich auch zugeben muss, dass es aus pragmatischen Gründen sinnvoll war, die Anbauten zu belassen, da sich dort die Treppenhäuser befinden und man nicht weiß, wo sich die Aufgänge im Mittelalter befanden. Aber ich würde mir dann wenigstens eine deutlichere Information bezüglich der verschiedenen Zeitschichten wünschen, vielleicht in Form einer Dokumentation der Restaurierung an den Wänden des Erdgeschosses, sodass das für den Besucher etwas offensichtlicher ist.

Beim Referat war es dann so, dass ich ziemlich wütend war, weil meine Korreferentin die Hälfte meines Referats schon erledigte, indem sie in der Baugeschichte das heutige Aussehen des Refektoriums sehr ausführlich beschrieb und für mich außer meiner Bewertung nicht mehr viel blieb. Das führte dazu, dass ich bei der Bewertung noch etwas mehr draufhaute als geplant und tatsächlich sagte, dass das Erdgeschoss als bessere Rumpelkammer genutzt würde. Unser Dozent fand das aber wohl eher amüsant und bewertete unsere gegenteiligen Darstellungen durchaus positiv. Was uns nämlich die 1,0 kostete, war nicht mein Wutausbruch, sondern die Tatsache, dass die Kommilitonin einen Großteil meines Vortrags vorweggenommen hatte.

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