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Dringender Spendenaufruf!

Ich möchte heute um Spenden für Bayern und Baden-Württemberg bitten: Man kann es ja nicht mehr mit ansehen, wie diese beiden Bundesländer im Zuge des Länderfinanzaus-
gleichs von dreisten Nehmerländern wie Berlin geschröpft werden. Wenn jeder Einwohner der Nehmerländer jeweils einen Euro für die beiden Bundesländer abgeben würde, müsste doch ein stattliches Sümmchen zusammenkommen. Und vielleicht würden wir dann wenigstens mal eine Woche lang von dummdreisten Stammtischparolen verschont.

Die Diskussion um den Länderfinanzausgleich ist mit der Berliner Schwabendebatte wieder hochgekocht und hat es sogar bis in die New York Times geschafft. Der Artikel berücksichtigt erfreulicherweise, dass Schwaben keineswegs nur in Baden-Württemberg zu finden sind, sondern eben auch in Bayern – eine Information, die mir bei den deutschen Artikeln immer gefehlt hat.

Auch werden die Summen aufgezählt, die Bayern und Baden-Württemberg wegen des Länderfinanzausgleichs zahlen mussten. Was allerdings ebenfalls unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass das – zumindest im Fall Bayerns – auch mal anders war. Bayern war nämlich früher auch unter den Nehmerländern, was heute schön verschwiegen wird. Das kann man beispielsweise hier nachlesen (wer jetzt wegen Focus Online die Nase rümpft: die Zahlen gibt’s beim Bundesfinanzministerium). 

Wenn damals, als Bayern noch Gelder aus dem Länderfinanzausgleich bekommen hat, die anderen Bundesländern auch „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ gezetert hätten, wie das Bayerns Ministerspräsident Seehofer in der FAZ getan hat oder mit Hetzparolen à la „Wir sind solidarisch, aber nicht blöd“ versucht hätten, die anderen Bundesländern für eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich zu gewinnen – was wäre dann gewesen?

Ich finde es schade, dass die Leute solcher Polemik bereitwillig Glauben schenken, ohne einmal die Faktenlage zu prüfen. Als ich letztens einem Bayern von den wunderbaren Denkmalen in Brandenburg (in Form von Dorfkirchen etc.) vorschwärmte, wurde mir in der altbewährten Gutsherrenmentalität sofort erklärt, dass das ja nur durch das Geld aus Bayern möglich sei. Das stimmt bei Denkmalen nicht wirklich, prestigeträchtige erhalten zwar einiges an öffentlichen Geldern, aber meist wird ein Großteil durch private Spenden gedeckt. Und dass unsere Denkmalpflegebehörden nur so im Geld schwimmen würden, glaubt doch nicht wirklich irgendjemand ernsthaft? Aber Hauptsache wir behaupten mal irgendetwas, was unser Weltbild gerade rückt: Brandenburg kann nicht schön sein und wenn, dann nur mit unserem (bayerischem) Geld.

Da ich wirklich die Nase voll davon habe, immer das Gehetze gegen Berlin zu hören, hier mal die Retourkutsche. Es wird ja stets nur der gehört, der am lautesten brüllt und das sind dann meist auch noch diejenigen, die (angeblich) den Anstand für sich gepachtet haben. Jetzt mit viel Anstand und Moral zurück polemisiert: Bei der ganzen Geschichte ist Baden-Württemberg wirklich der Gearschte, weil sie seit Anbeginn immer nur gezahlt haben, aber ich würde das gerne unter Schmerzensgeld ablegen, weil ich den, pardon, saudoofen Dialekt auch schon immer in München ertragen musste. Da Baden-Württemberg ja über keine einzige richtige Großstadt (also über 1 Mio. Einwohner) verfügt, gibt es in München ebenfalls eine große schwäbische Minderheit. Also hat meine Abneigung gegen den schwäbischen Dialekt überhaupt nichts mit Berlin zu tun, sondern stammt schon aus bayerischer Zeit. Da ich in Nürnberg geboren, aber in Oberbayern aufgewachsen bin, kann man sich nun aussuchen, wem man das in die Schuhe schiebt (in Berlin wohne ich mit Unterbrechungen seit 2004).

Was Bayern betrifft: Wenn Berliner etwas gegen Bayern sagen, heißt es immer gleich, da spreche der Neid. Aber auf was soll ich denn bitte neidisch sein? Auf Berge? Die kann ich nicht ausstehen und die bayerischen Seen mit ihrem Kieselgrund, geschenkt. Da lobe ich mir doch die Brandenburger und Berliner Seen mit dem weichen Sandboden. München war mir zum Schluss zu langweilig, ich konnte die Leute in der U-Bahn in ihren Quelle-Katalog-Uniformen nicht mehr sehen, alle gleich, bloß nicht auffallen. Und dann die horrenden Mieten: Sorry, ich habe keinen Bock auf Wohnklo. Langsam frage ich mich, ob diese unnötige Arroganz gegenüber Berlin daher rührt, dass die Hauptstadt die jungen Leuten aus aller Welt anlockt und für Bayern nur die sechzigjährigen Rentner übrig bleiben, die 30 Minuten am Königssee herumlatschen und dann im Café bei Apfelstrudel in den Sessel pupen. Gut, einmal im Jahr kommen auch junge Touristen nach München, um sich mit überteuertem Bier die Kante zu geben, bei schlechter Schlagermusik auf den Bierbänken zu tanzen und dann die U-Bahn voll zu kotzen. Ein Prosit darauf!

Natürlich gibt es auch die anderen, bodenständigen Bayern. Die hört man aber nicht, weil sie nicht mit großer Klappe überall herumlaufen und ihre (einseitige) Meinung verbreiten. Genauso wenig wie man mich hört, wenn ich nicht auch mal auf den Tisch haue, weil es reicht.

(Was ich bei meinen Ausführungen komplett unter den Tisch fallen ließ: Hessen ist das dritte Geberland, aber da ja immer nur die berücksichtigt werden, die am lautesten brüllen, müssen die ohne unsere Spendengelder auskommen)

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